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Würden Sie Ihren Mitarbeitenden eine Maschine anvertrauen, die Sie selbst nie bedient haben oder deren Funktion Sie nicht kennen?

4. Aug.
3 Min. Lesezeit

Genau das passiert derzeit in Unternehmen.


Geschäftsführungen beschließen, dass künftig mit ChatGPT, Claude, Copilot oder Gemini gearbeitet werden soll. Es werden Lizenzen gekauft, Schulungen organisiert und Richtlinien erstellt. Anschließend lautet die Botschaft: „Ab morgen arbeitet ihr mit KI.“


Doch dieselben Führungskräfte haben häufig selbst nur wenige praktische Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz gesammelt.


Sie kennen die Technologie aus Vorträgen, Medienberichten oder Präsentationen von Softwareanbietern. Viele haben jedoch nie über einen längeren Zeitraum selbst mit KI gearbeitet, komplexe Aufgaben gelöst oder erlebt, wie überzeugend eine KI auch falsche Antworten formulieren kann. Sie wissen oft nicht aus eigener Erfahrung, wie entscheidend die Qualität der Fragestellung ist und wie sorgfältig Ergebnisse geprüft werden müssen.


Genau hier beginnt das eigentliche Problem.


KI ist keine neue Office-Version und auch keine Software, die nach einer Schulung einfach produktiv eingesetzt wird. Generative KI verändert die Art, wie Informationen entstehen, Entscheidungen vorbereitet werden, Wissen verarbeitet wird und Menschen zusammenarbeiten. Deshalb ist ihre Einführung keine klassische IT-Aufgabe. Sie ist eine Führungsaufgabe.


Dennoch wird KI in vielen Unternehmen genau andersherum eingeführt. Die Führung entscheidet, die Mitarbeitenden sollen umsetzen.


Aus Sicht der Organisationspsychologie ist das ein riskanter Ansatz.


Menschen orientieren sich deutlich stärker am Verhalten ihrer Führungskräfte als an deren Anweisungen. Dieses Prinzip des Vorbildlernens ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich gut belegt. Mitarbeitende beobachten sehr genau, was ihre Führung tatsächlich tut. Sie erkennen schnell, ob KI lediglich auf der Agenda steht oder ob die Unternehmensleitung selbst überzeugt damit arbeitet.


Fehlt dieses Vorbild, entstehen Unsicherheit und Zurückhaltung.


Warum sollte ich Zeit investieren, wenn mein Vorgesetzter selbst kaum mit KI arbeitet? Darf ich experimentieren oder werden Fehler später gegen mich verwendet? Ist KI wirklich strategisch wichtig oder nur der nächste kurzfristige Trend?


Diese Fragen werden selten offen ausgesprochen. Sie beeinflussen aber das Verhalten im Unternehmen.


Die Folge ist häufig, dass ein Teil der Mitarbeitenden KI gar nicht nutzt, während andere längst mit privaten Accounts oder öffentlichen KI-Diensten arbeiten. Dieses Phänomen wird inzwischen als „Shadow AI“ bezeichnet und beschäftigt Unternehmen weltweit. Das eigentliche Risiko besteht dabei nicht in der Nutzung von KI, sondern darin, dass sie ohne gemeinsame Standards und ohne klare Führung erfolgt.


Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der häufig unterschätzt wird.


Wer selbst nie intensiv mit KI gearbeitet hat, kann ihre Stärken und Schwächen kaum realistisch einschätzen. Man erlebt nicht, wie überzeugend Halluzinationen wirken können. Man erkennt nicht, wie unterschiedlich die Ergebnisse allein durch eine bessere Fragestellung werden. Und man entwickelt auch kein Gefühl dafür, welche Aufgaben sich hervorragend für KI eignen und welche besser in menschlicher Verantwortung bleiben.


Genau deshalb reicht theoretisches Wissen nicht aus.


Führungskräfte müssen selbst Erfahrungen sammeln. Sie müssen erleben, wie produktiv KI sein kann, aber auch, wo ihre Grenzen liegen. Erst dadurch entstehen fundierte Entscheidungen – nicht auf Basis von Marketingversprechen, sondern auf Basis eigener Kompetenz.


Diese Erkenntnis setzt sich inzwischen auch international durch. Immer mehr Unternehmen investieren zunächst in die KI-Kompetenz ihrer Führungskräfte. Sie haben verstanden, dass die eigentliche Herausforderung nicht die Technologie ist, sondern die Fähigkeit, eine Organisation durch einen tiefgreifenden Wandel zu führen.


Gerade im Mittelstand entscheidet deshalb nicht die Anzahl der eingesetzten KI-Tools über den Erfolg.


Entscheidend ist, ob die Unternehmensleitung versteht, welche Aufgaben tatsächlich sinnvoll mit KI unterstützt werden können, welche Qualitätsstandards notwendig sind und wie Mitarbeitende sicher und verantwortungsvoll mit dieser neuen Technologie arbeiten.


KI verändert nicht nur Arbeitsabläufe.


  • Sie verändert Entscheidungen.

  • Sie verändert Verantwortung.

  • Und sie verändert Führung.


Deshalb lautet die entscheidende Frage heute nicht:


„Wie bringen wir unsere Mitarbeitenden dazu, KI zu nutzen?“


Sondern:


„Sind wir als Führung selbst bereit, mit KI zu arbeiten und diesen Wandel kompetent vorzuleben?“


Denn Unternehmen übernehmen langfristig nicht die Haltung ihrer Mitarbeitenden.

Sie übernehmen die Haltung ihrer Führung.


Deshalb beginnt erfolgreiche KI-Einführung nicht in der IT und nicht im Fachbereich. Sie beginnt im Büro der Geschäftsführung.


Ein Beitrag von Mike Winter | Gründer von Off Sence AI

 
 
 

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